Sonntag, 18. Mai 2014

Egon´s 60er-Ausfahrt

Egon Lampl ist 60 Jahre alt geworden. Der Gründer und Inhaber des Fahrradmuseums in Werndorf bei Graz organisierte anlässlich seines Geburtstages eine nette Ausfahrt, zu der mehr als 80 Teilnehmer aus ganz Österreich und auch Slowenien und der Schweiz anreisten. Die Fahrt führte durch die Nachbargemeinden zu einer Buschenschank und weiter zum Veranstaltungszentrum von Werndorf, zahlreiche Preise wurden von Egon Lampl an Mitmacher und Freunde vergeben.
Meine Frau und ich waren mit dem Rotary Tricycle und dem Star Hochrad dabei und konnten gut mithalten mit den vielen Pneumatik-Rädern. Beim Aufstieg aufs Star wäre ich allerdings beinahe in einer Gruppe älterer Damen gelandet, die Straße war regennaß und meine Schuhe rutschig, was zu Schwierigkeiten führte :)

Tolle Sache, dass er sich soviel Mühe und Arbeit antat und eine solche Menge an Fahrradfreunden zusammentrommeln konnte, die dem schlechten Wetter zum Trotz ihre Räder aus den Kellern holten. Besonders schön war es, soviele Bekannte aus Slowenien wieder zu treffen und auch einige Räder wieder zu sehen, die meinen Keller schon mal beehrten.


Zum Schluss noch eine Bitte an alle Veranstalter: Bitte vergebt an eure Teilnehmer keine Startnummern die sie sich an ihr Rad hängen müssen - außer sie sind verschwindend klein. 
Die großen Zettel mit den Nummern verdecken die schönen Details und stören das Gesamtbild des Rades beim Fotografieren.
































Freitag, 18. April 2014

"Special" Star 1886



Die H. B. Smith Machine Company in Smithville, New Jersey USA produzierte ab dem Jahr 1880 ein ungewöhnliches Hochrad, bei dem das kleine Rad vorne lag. Das sogenannte „Star“ war ein Sicherheits-Hochrad, die neuartige Konstruktion sollte gefährliche Kopfstürze vermeiden, die Hochradfahrern immer wieder passierten, auf den damals schlechten Straßen.



Das Star gab es in verschiedenen Ausführungen, als Rennrad, einfaches Tourenmodell oder ,wie in diesem Fall, als Tourenrad mit besserer Ausstattung. Angetrieben wurde das Star nicht wie das gewöhnliche Hochrad mit Kurbeln sondern über Trethebeln, die ähnlich wie ein Ratschenmechanismus funktionieren. Das praktische daran war dass man beide Beine zugleich oder abwechselnd nach unten drücken konnte, denn das Rad hat einen Freilauf. Auch das Bergauffahren war mit dem Star leichter da man während der Fahrt aufstehen konnte und somit mehr Kraft auf die Hebeln legen konnte - Star Hochräder gewannen dadurch eine große Zahl der amerikanischen Hochradrennen, besonders Bergrennen.

Für Star gab es eine Großzahl an verschiedenen Satteln (Stars sind schon fast "bekannt" dafür dass sie immer wieder mit anderen Satteln auftauchen) und auch eine Menge an Anbauteilen.






Zu Werbezwecken wurde eine Abfahrt über die Stiegen des Kapitol in Washington bildlich festgehalten und als Postkarte vermarktet. Es gab auch einige Musikstücke die extra für Star Hochräder komponiert wurden, ebenfalls zur Bewerbung der Vorzüge dieses Sicherheits-Hochrads. Star Hochräder wurden ca. bis 1890 gebaut, dann fielen auch sie dem Boom der Niederräder zum Opfer.




...

Als ich das Star 2013 in den USA kaufte waren einige Dinge am Rad kaputt bzw. nicht mehr verwendbar:

• gebrochene hintere Felge
• Speichen fehlend, gebrochen und stark angerostet
• Ledergurte porös
• Sattel zerissen
• Rahmen verbogen
• Reifen fehlend








Wichtige Komponenten wie der komplizierte Antrieb oder die Bremse waren aber in gutem Zustand, Lack war nicht mehr viel drauf, dafür war es nicht überstrichen worden. Mit (für mich ungewöhnlich) viel Geduld konnte ich Spezialisten finden die mir bei der Arbeit am Rad halfen, besonders die Doppeldickend-Speichen waren schwer zu kriegen.

Der außergewöhnliche Lillibridge-Sattel besteht aus 2 getrennten Sitzflächen, ist bequem aber schwer zu spannen. Das neue Sattel-Leder fertigte Tim Dawson, der mir schon 2 andere Sattel wunderbar reparierte.




Für die gebrochene Felge wurde eine passgenaue Form rund um den Teil der Bruchstelle gebaut, dann die Speichen und Nieten rund um die kaputte Stelle entfernt (die Felge wurde sehr grob durch zwei Blechplatten mit Nieten zusammengehlaten) und dann verschweisst.


Die Doppeldickend-Speichen kamen von einem Spezialisten aus den USA. Sie wurden genau nach den originalen Mustern gefertigt, und dennoch mussten wir sie nochmals kürzen, nach dem ersten Einbauen. Jede Speiche ist einzeln mit einer kleinen Vierkant-Mutter im Inneren der Nabe befestigt - das macht das Einspeichen zu einer nervenzermürbenden Arbeit... überhaupt wenn man es gleich 2x an einem Tag macht.



Die Gummibereifung (vorne ca 21 mm, hinten 26 mm) haben wir mit einer Flex, ausgestattet mit einer dünnen Eisenscheibe geschnitten. Dadurch bekamen wir eine ziemlich schöne, schräge Schnittfläche, anschließend wurden die Enden mit Loctite Superkleber verbunden.




Nach etwas mehr als einem Jahr Arbeit ist mein Star nun endlich soweit fertig und fahrbereit. Einzig die Ledergurte muss ich vielleicht nochmals wechseln, sie bekamen an der Oberfläche Risse...

Ein Star fährt sich nicht wie ein gewöhnliches Hochrad (Ordinary), beim Treten der beiden Antriebshebel werden andere Muskeln beansprucht als bei einer rotierenden Kurbel-Bewegung. Das Aufsteigen ist etwas mühsam da man ein Bein über das große Rad schwingen und sich relativ weit vorlehnen muss um nicht mit dem ganzen Rad nach hinten zu kippen. Dafür ist das Absteigen umso leichter.