Freitag, 7. Juni 2013

Velocipede / Tretkurbelrad

Dieses Velociped kaufte ich recht günstig vor ca. 1 Jahr. Es war nicht ganz komplett und ein paar Sachen waren zu richten:

• Eine Kurbel fehlte
• Pedale fehlten
• Sattelfeder fehlte
• Die Laufräder waren vertauscht und die Achsen und dazugehörigen Löcher durch die Naben zu richten
• Bremsfeder abgerissen
• Lenker verbogen
• Sattel fehlte
• Messinglagerschalen fehlten

Ich bekam den Kontakt zu einem sehr guten und alten Schmied in der Nähe, der eigentlich nichts mehr macht aber seine Esse selbst gebaut im Keller stehen hat. Als ich ihn anrief wollte er zuerst gar nichts von Schmiedearbeit mehr wissen, als ich ihm aber ein paar Tage später das Rad zeigen konnte bekam er doch Interesse und willigte ein mir die fehlenden Teile nach Fotomustern nachzufertigen. 3 Monate hat er gebraucht, gekostet hats trotzdem fast nichts, er hatte eine rechte Freude daran, und das Ergebnis ist einwandfrei, meiner Meinung nach. Er konnte mir auch viel zur damaligen Arbeitsweise erzählen, immerhin hat er jahrzehntelang Schmiedearbeit in der hiesigen HTL unterrichtet.

Den Sattel, ein Replica, konnte ich in England erwerben, passt recht gut aufs Rad. Pedale bekam ich übers Forum, eine sehr schöne Anfertigung, auch nach Fotografien, mein Dank nach Ungarn!

Schwierig war es die Laufräder zu richten, ein falsches Loch in der Nabe, ob zu groß oder zu klein, macht mehr Probleme als kein Loch in der Nabe. Alle regionalen Tischlereien, Wagenbauer und Drechsler haben mir abgesagt, keiner konnte die Räder einspannen da sie viel zu groß für die Machinen sind. Der Ausweg war dann doch recht einfach, nur draufgekommen bin ich lange nicht: Mit einer Drehbank in einem nahen Betrieb konnten wir die Naben aufbohren und neue Hartholzeinsätze und Messinghülsen einbauen.

Der Rest war relativ einfach, ist ja nicht viel dran an so einem Rad...

Das Rad selbst ist sicher die Arbeit eines Schmieds, ich schätze ca. aus 1870. Er muss sein Handwerk sehr gut verstanden haben, die geschwungene Form der hinteren Streben, die recht schöne Schnecke vorne und auch sonst ein paar Details sind schwer zu machen hat mir mein Schmied erklärt. Den Rahmen abwärts zum Hinterrad hat er allerdings recht einfach gehalten.
Am hinteren Rad kann man noch gute Reste der ursprünglichen Linierung sehen.

Auf den ersten Bildern die ich letztes Jahr sah, sahs kleiner aus als es jetzt ist, ich hab mich fast ein wenig geschreckt als ichs gestern nacht zum ersten mal aufstellte. Heute hab ichs getestet, das Ergebnis sieht man in dem kleinen Film unten dran. Es ist ein ziemliches Vergnügen, wenn auch wackelig, mit dem Rad zu fahren.















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