Sonntag, 2. Februar 2014

Meteor Fahrradwerke Graz

1888 begann der erste Fahrradproduzent der Steiermark, Benedict Albl, in Graz mit der Erzeugung von Bicycles, Bicyclettes und Tricycles. Anfangs noch stark auf den Import, Zusammenbau, Verkauf und Reparatur von meist englischen Rädern konzentriert (Albl war Vertreter von Herbert, Hillman & Cooper in Graz) etablierte er seine eigene Marke "Meteor" ca 1889/90. Seine Fahrräder waren bald über die Grenzen der Monarchie aufgrund ihrer hohen Qualität bekannt.

1894 suchte Albl, vermutlich aus finanziellen Engpässen (er hatte die Meteor Fahrradwerke mehrfach ausgebaut und vergrößert) einen Partner und fand diesen in Carl Franz. Dieser übernahm dann auch sogleich die Meteor Fahrradwerke und führte sie einige Jahre erfolgreich weiter, zahlreiche Anzeigen in lokalen Zeitungen zeugen von reger Produktion und vielen sportlichen Einsätzen. Benedict Albl aber startete mit "Graziosa" neu und spezialisierte sich auf kettenlose Fahrräder.

1904 zog sich Carl Franz aus dem Fahrradgeschäft zurück und verkaufte den Betrieb an den deutschen Konsul Ernest Simson. Dieser betrieb laut Adressbuch eine „Waffenfabrik und Fahrradwerk" in der Babenbergerstraße und stellte „alle Fahrradbestandteile und Artikel der Feinmechanik" selbst her. Um 1920 erzeugten 150 Arbeiter hauptsächlich Volksfahrräder. Simsons Betriebsleiter Gustav Schmidt gründete den Radfahrer-Verein „Meteor", der sich die Förderung des Kunst- und Reigenfahrens, verbunden mit Turnen, auf die Fahnen geschrieben hatte. Dieser hatte allerdings, ebenso wie die Fahrradfabrik und nach einer Umbenennung in RV "Komet", nicht sehr lange Bestand. Wann die Meteor Fahrradwerke entgültig geschlossen wurden ist noch nicht bekannt.

Dieses Meteor Herrenrad, vermutlich aus der Produktion des Konsul Simson, befindet sich in einem weitgehend originalen Zustand und ist entsprechend gut erhalten. Vermutlich wurde es kurz nach den 1. Weltkrieg gebaut, die F&S Hinterrad-Nabe ohne Jahreszahl spricht für ein Baujahr vor 1921, Rahmenform, Kettenteilung und Tretscheibe deuten auf ein Produktionsjahr nach 1918 hin. Am gesamten Fahrrad finden sich keine Stempelungen außer der fünstelligen Rahmennummer, welche von oben nach unten laufend, links am Sattelrohr eingeschlagen ist. Weiteres außergewöhnliches Detail ist der linksseitige Bandfeststeller.

Sattel und Radlaufsirene wurden nachträglich zugefügt.
Danke an Wolfgang Wehap für einige Informationen.